Der große Traum von der Hauptrolle

Der große Traum von der Hauptrolle
Brilon, 18.10.2009, Kerstin Eigendorf

 

Brilon. Im Indianerkleid und mit Federschmuck im Haar betritt Hannah die Bühne. Indianermädchen Pocahontas eben! Doch als sie den ersten Ton von “Farbenspiel des Winds” singt, verwandelt sich das niedliche Mädchen in eine selbstbewusste Sängerin. Eine Sängerin, die im März erst elf geworden ist

Hannah Sauerwald hat sich für die Mottoshow der Musical Factory Brilon qualifiziert. Nun kämpft sie – wie ihre 23 Konkurrenten – um eine Hauptrolle im großen Altkreis-Musical, das im Frühjahr 2010 auf die Bühne gebracht werden soll. Fünf Kandidaten sollen bei der ersten Mottoshow im Briloner Petrinum rausfliegen. So lauten nun einmal die Regeln.

Unruhig an den Pulloverärmeln zupfen, an den Fingernägeln knabbern oder aufgeregt hin und her laufen: Die Nervosität ist den Teilnehmern zweifellos anzumerken. Der Traum von der Hauptrolle in “High School Musical 2+3″ ist aber mindestens genauso groß wie die Aufregung.

Keine leichte Aufgabe


  Erste Mottoshow der Musical Factory Brilon im Petrinum: Shari beeindruckte mit einer Tanzeinlage. Foto: WP
Die Aufgabe ist nicht leicht. Die Leser der Westfalenpost haben entschieden, welche Musicalhits die Kandidaten singen sollen. Die Jury hat entschieden, welches Lied am besten zu welchem Sänger passt. Da sind nicht alle sofort mit zufrieden gewesen. “Ich fand den Titel blöd”, gibt die 13-jährige Juliane Delker aus Brilon zu. Doch Gesangsprofi Hermannjosef Roosen ließ nicht locker. “Der Titel passt perfekt zu Deiner Stimme”, sagt er immer wieder.

Und dann geht Juliane auf die Bühne und setzt an zu “Only time” von Enya. Ein Lied, das nach dem 11. September zur Hymne der Hilflosigkeit und Trauer, aber auch des Aufbruchs geworden ist. Spätestens zu diesem Zeitpunkt ist auch für die junge Sängerin klar. Ihre Stimme passt genau zu diesem Lied. “Die Jury kennt meine Stimme eben einfach besser als ich selbst”, sagt Juliane und strahlt nach dem Auftritt.

Drei Wochen Zeit zum Üben
Die Jury ist sehr zufrieden. Sie hat die Kandidaten mit den Mottoshow-Liedern nun auch zum ersten Mal gehört. “Die Sänger hatten drei Wochen Zeit, um die Lieder zu üben”, sagt der musikalische Leiter Hermannjosef Roosen. “Die Jugendlichen haben eine enorme Entwicklung gemacht, wenn ich an die ersten Castings denke.” Kleine Tipps statt harter Kritik, lautet die Devise der Jury.

Diejenigen, die keine Chance mehr auf eine Hauptrolle haben, fiebern mit ihren Kollegen mit. Sie gehören zum Ensemble. Und nachdem Mädchenschwarm Carlos Lademacher, Wirbelwind Anika Bartmann, Bühnenprofi Julia Dietz, Tänzerin Shari Fritsche und die vielen anderen das Publikum begeistert haben, dürfen sie wieder ran. Das gemeinsame Lied “High School Musical” vereint sie wieder: Solisten und Ensemble. Keiner steht im Mittelpunkte, alle singen gemeinsam.

Jury hat es nicht leicht
Doch um eine Entscheidung kommt die Jury – bestehend aus Musicalstar Deimos Virgillito, Hermannjosef Roosen, Tanzexpertin Heidi Neifer, Vocalcoach Ulli Düllberg und Klaus Levermann vom Chorverband NRW – nicht herum. Sieben Jugendliche erklären sie zu Wackelkandidaten, bei denen „Schwächen sichtbar wurden”. Die Anderen sind weiter, dürfen im Dezember in der zweiten Mottoshow dabei sein.

Dann das entscheidende Urteil: Alle sind weiter! „Die Titel waren enorm schwer und alle haben eine zweite Chance verdient”, erklärt Roosen. Das sei aber die absolute Ausnahme. „Beim nächsten Mal werden es zehn Kandidaten sein, die nicht weiterkommen anstatt der geplanten fünf.” Bis dahin dürfen sich aber alle erstmal als Sieger fühlen. Es bleibt also spannend!


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