Tolle Stimmen überwältigen Jury
Olsberg, 01.06.2009, Kerstin Eigendorf
Olsberg. Ein lauter Freudenschrei ist zu hören, dann liegen sich zwei Mädchen aus Marsberg in den Armen. Johanna und Carmen sind beide 15 und sie wollen unbedingt dabei sein: beim großen Musical des Chorverbandes Altkreis Brilon im Frühjahr 2010. Die erste Runde haben sie geschafft.
Sie haben die Jury überzeugt. Und die hebt sich wohltuend von den Formaten ab, mit denen die Jugendlichen tagtäglich konfrontiert werden. Keine Spur von profilneurotischen Jurymitgliedern, die nur darauf warten, jungen Menschen ihr Nichtkönnen um die Ohren zu hauen.
Hier muss Du die Atmung spüren: Sängerin und Chorleiterin Regine Saus hilft Romy, die Atmung zu verbessern. Foto: Eigendorf Foto: WP
Im Gegenteil: Je nervöser einer der rund 100 Teilnehmer ist, umso einfühlsamer werden die Juroren. Sängerin Regine Saus weiß genau, welche Knöpfe sie drücken muss, um den Kandidaten zu zeigen, was mit deren Stimme alles möglich ist. So wie bei der elfjährigen Laura aus Brilon. Ganz leise wagt sie sich an ihr Lied von Kelly Clarkson. Ihre Stimme zittert, die Hände suchen am Oberteil nach Halt.
Ein Lächeln auf ihrem Gesicht
Keine drei Minuten später ist Laura nicht mehr wiederzuerkennen. Sie lächelt beim Singen. Das Zittern in der Stimme scheint weggezaubert. Das kommt nicht von ungefähr. „Stell Dir vor, Du singst durch die Augen”, hatte Jurymitglied und Musical-Fachmann Hermannjosef Roosen geraten. „Das hört sich blödsinnig an, versuch es aber mal.” Und es zeigt Wirkung. Laura fühlt sich wohl und landet in Runde 2, dem sogenannten „Recall” Ende Juli. Die Chancen auf eine Hauptrolle steigen.
Alexandra ist ebenfalls dabei. Die 16-Jährige aus Assinghausen sorgt mit einem Lied aus „König der Löwen” für Gänsehaut. Am Anfang will ihre Stimme aber nicht ganz so hoch hinaus. Kurzerhand nutzt Regine Saus einen Trick. Sie nimmt Alexandras Hände und simuliert einen kleinen Kampf. An den Stellen, die sie zu tief intoniert, reckt sie die Hände in die Höhe. Und siehe da, der Ton sitzt plötzlich – eben ein Stückchen höher.
Tanzexpertin in der Jury zeigt, wie die richtige Körperhaltung aussieht: Heidi Neifer (l.) spürt Alexandras Wirbelsäule nach. Foto: Eigendorf Foto: WP
Während Alina und ihre Mädels aus Züschen auf der Brücke am Olsberger „Haus des Gastes” trällern, Mamas mit ihrem Nachwuchs mitfiebern und die Tänzer ihr Bestes geben, freut sich Simone Zurbrügg über ihr Weiterkommen. Sie ist aus Ingolstadt angereist, um am Casting teilzunehmen. Wenn die Probenwochenenden beginnen, wohnt sie bei Freundin Ricarda in Twiste. „Das wird anstrengend, aber ich will unbedingt dabei sein”, sagt Simone.
Aus Ingolstadt angereist
Verlierer gibt es an diesem Wochenende keine. Wer nicht in Runde 2 ist, darf im „Ensemble” mitsingen. Alle anderen kämpfen weiter um die Hauptrollen. „Es waren viele tolle Stimmen dabei. Ich bin völlig überwältigt”, sagt Roosen. Und auch der Präsident des Chorverbandes NRW, Hermann Otto, schaut vorbei, weil ihn das Großprojekt in den Bann gezogen hat.
Für alle, die die Chance zum Vorsingen oder -tanzen verpasst haben: Es gibt ein „Nachcasting”. Info: http://www.musical-factory-brilon.de/